Vom ersten Impuls bis zum tiefen Vertrauen

Ich habe zwei Geburten erlebt. Die erste 2015 in einem Krankenhaus in Österreich. 13 Stunden mit bis zu acht, mir fremden, Menschen um mich herum und ich selbst – entgegen all meiner Vorsätze – laut schreiend.

Ich hatte gedacht, dass der Körper schon wüsste, wie er ein Kind auf die Welt bringt. Doch plötzlich fühlte ich mich hilflos, überfordert und nicht ausreichend vorbereitet auf die gewaltigen Kräfte, die da in mir tobten.

Ich kämpfte. Vor allem gegen den Schmerz. Ich hätte so gern zwischendurch Pausen gemacht, doch die gab es nicht. Ich spürte deutlich: „Da muss ich jetzt durch. Komme, was da wolle.“ Und ja, ich habe mich anschließend stark gefühlt. Wie eine Heldin. Ich habe ein Kind geboren.

Meine zweite Geburt erlebte ich 2018. Bei uns zu Hause, mein Mann hatte mir gerade noch eine Soft-Touch-Massage gegeben und eine geführte Meditation mit mir gemacht.

Während er sich mit unserem ersten Sohn noch einmal schlafen legte, hatte ich mir einen Tee zubereitet, Kerzen und Räucherstäbchen angezündet, mit unserer Hebamme telefoniert, meine Entspannungsmusik aufgelegt und die Wellen (Wehen) veratmet.

Ich war in jedem Augenblick mit meinem Baby verbunden, fühlte mich kompetent und bestens vorbereitet.

Ich wusste genau, wie ich zu atmen und mich zu bewegen hatte, um unser Baby optimal zu unterstützen. Ich folgte meinen Impulsen, bewegte mich wie ich wollte und ließ mir schließlich ein Bad ein.

Auch den heftiger werdenden Wellen konnte ich voller Vertrauen begegnen und empfing schließlich nach 3 erträglichen Geburtswellen (Presswehen) innerhalb von 3,5 Stunden unseren zweiten Sohn in der Badewanne.

Nur er und ich.

Der Rest der Familie schlafend, die Hebamme noch auf dem Weg und ich unbändig glücklich, überrascht und stolz, dass eine Geburt so sanft sein kann.

Zwischen diesen beiden Geburten ist etwas wunderbares geschehen. Mit der richtigen Unterstützung und Begleitung von wundervollen Frauen, habe ich gelernt, wie ich mein Kind entspannt allein gebären kann.

Frei von Angst. Ganz mit mir, meinem Körper und meinem Baby verbunden.

Mit Hilfe der richtigen Atem- und Entspannungstechniken war es möglich, dass die Schmerzen so viel geringer waren, als bei der ersten Geburt

Ich möchte es in die Welt tragen und so vielen Frauen wie möglich davon erzählen.

Wir können wieder lernen, wie wir unsere Kinder leicht(er) auf die Welt bringen. Viel von dem, was uns in unserer Kultur über Geburten erzählt wird, ist nur vermeintlich wahr. Es gibt andere Kulturen, in denen Geburt als etwas ganz natürliches erlebt und gelebt wird.

Und wir dürfen uns erinnern (lassen) und wieder lernen, wie wunderschön es ist, Leben zu schenken.

Hypnobirthing – mein Weg zur sanften Geburt

Die Tür zu meiner zweiten Geburtserfahrung wurde mir geöffnet von einer lieben Bekannten, die sogar als Erstgebärende ihr Kind auf diese sanfte Weise begrüßen konnte. In nur 3 Stunden atmete sie ihren Sohn auf die Welt und schreibt darüber auf ihrem Blog “Angefangen Aufzuhören”.

Sie erzählte mir von der Methode des „Hypnobirthings“ und wie sie sich auf ihre Alleingeburt vorbereitet hat. Auf YouTube ist ein Video ihrer Hausgeburt mit Hypnobirthing, das aktuell schon über 170.000 mal angeklickt wurde.

Ich kaufte mir das Buch „Hypnobirthing“ und belegte einen privaten Kurs bei Corinna Fuchs von “die leichte Geburt”. Corinna kam zu uns nach Hause und erklärte meinem Mann und mir, wie die Methode wirkt.

Die Schmerzen begrüßen

Ich verstand, wie meine Angst vor Schmerzen, die Schmerzen verschlimmerten und wie mein begrüßen und annehmen der Wehen (Wellen), das hinein atmen, unterstützen und entspannen, meine Schmerzen linderten.

Mir wurde klar, dass bei der Geburt ähnliche Hormone benötigt werden, wie sie bei der Zeugung unserer Kinder eine Rolle spielten: Endorphine, wie zum Beispiel Oxytocin oder Serotonin – Bindungshormone und Glückshormone, die zudem Stress und Schmerzen lindern.

Ich begriff, dass jede Störung des Geburtsprozesses, wie z. B. die Fahrt in ein Krankenhaus, manuelle Untersuchungen, das verwenden verstörender oder angsteinflößender Begriffe, Zeitdruck und unbekannte Menschen um uns herum, genau die Hormone blockieren, die für eine sanfte(re) Geburt benötigt werden.

Da ich die Erfahrung hatte, wie es sich angefühlt hat im Krankenhaus zu gebären, wusste und verstand ich nun nachträglich, warum meine Intuition mir schon damals gesagt hatte, dass ich eigentlich im geschützten Zuhause hatte bleiben wollen.

Ich hatte die Irritationen erlebt.

Selbst, wenn es kaum Eingriffe und oder sogar Übergriffe gibt, finden doch routinemäßig Interventionen statt, die eine natürliche und leichte Geburt hemmen oder sogar blockieren können.

Meine Vorbereitung auf die Alleingeburt

Corinna bat meinen Mann und mich, all unsere Ängste aufzuschreiben, die wir in Bezug auf die Geburt und die Zeit danach in uns spürten. Wir schrieben gemeinsam ein ganzes Blatt voll.

Angefangen von der Angst vor den Schmerzen oder dass mir bzw. dem Baby bei der Geburt etwas geschehen könnte, über Sorgen, wie es mit zwei Kindern sein würde, bis hin zur finanziellen Situation als wachsende Familie.

All diese Gedanken können die Macht haben mich unter der Geburt zu hemmen und den Prozess zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

Mit Hilfe von zwei Hypnosesitzungen wurden meine Ängste bearbeitet und aufgelöst. Zusätzlich machte ich 12 Wochen lang tägliche Übungen. 

Zum einen die sogenannte Regenbogenentspannung, um meinen Körper zu trainieren, wie er innerhalb kürzester Zeit in die Entspannung (zurück) findet.

Das war hilfreich, um mich zwischen meinen Wehen zu erholen und meine Kraftreserven zu schonen. Der Entspannungsvorgang wurde durch die tägliche Übung automatisiert und konnte schließlich schon mit den ersten Tönen der CD herbeigeführt werden.

Ebenso wichtig ist die richtige Atmung. Wenn wir Angst haben oder Schmerzen spüren, halten wir oft instinktiv die Luft an, verspannen uns und blockieren damit wichtige Prozesse im Körper.

Der benötigte Sauerstoff kann nicht ungehindert in alle an der Geburt beteiligten Muskeln fließen, der Bauch ist möglicherweise angespannt und bekommt nicht den Raum, den er benötigt, damit die Kontraktionen effektiv wirken können.

Nicht zuletzt werden Stresshormone ausgeschüttet und wichtige schmerzhemmende Hormone können nicht in ausreichender Menge produziert werden. Der Schmerz nimmt also zu und eine Schmerz-Angst-Spirale entsteht. 

Mit der sogenannten Ballonatmung wird all dies verhindert. Tief in den Bauch hinein zu atmen, bis dieser sich weitet, verschafft Raum, verhilft zur Entspannung und begünstigt somit eine leichtere Geburt.

Zusätzlich zu den Hypnosen und den Übungen, sah ich mir im Internet bestärkende Videos von Frauen an, die positive Geburtserlebnisse zu Hause gemacht hatten. Ich arbeitete mit Affirmationen, die ich ebenfalls täglich anhörte. Sie gaben meinem Unterbewusstsein Bilder, mit denen es arbeiten konnte.

Es war äußerst hilfreich mir auszumalen, wie ich die Situation tatsächlich haben möchte, statt nur daran zu denken, wie es nicht (wieder) sein soll.

Sätze wie „Ich habe Vertrauen in mich, meinen Körper, die Natur und mein Baby.“ oder „Ich entspanne mich, während wir einfach und reibungslos den Geburtsprozess durchlaufen.“ halfen mir dabei im Vertrauen zu sein und mich zu entspannen.

Was ein für mich wesentlicher Punkt war, um mich angstfrei hingeben zu können war, dass ich eine kompetente Hebamme an der Hand hatte, der ich zutiefst vertraute. 

Ursula Walch ist eine außergewöhnliche Geburtsbegleiterin aus Graz, die das Buch born@home über einige bemerkenswerte Geburten geschrieben hat, die sie betreut hat.

Nachdem ich ihr Buch gelesen hatte wusste ich, dass ich in besten Händen bin und – sollte es tatsächlich irgendeinen Zwischenfall geben – sie dem gewachsen wäre.

Sie kam ca. 40 Minuten nach der Geburt zu uns nach Hause und hat mich und das Baby versorgt. Sie stand zu jedem Zeitpunkt telefonisch und über WhatsApp zur Verfügung, um auftauchende Fragen klären zu können und mir so Sicherheit zu geben.

Für mich ist Vertrauen daher einerseits lernbar und zum anderen die Konsequenz der erlebten Erfahrung, dass wir wohlwollend, liebevoll und kompetent begleitet sind.

Selbstbestimmte Geburt

Ich bin mehr als dankbar, dass ich unseren Sohn allein willkommen heißen durfte. Ich habe während der Schwangerschaft darum gebeten, dass – wenn ich und mein Baby gesund sind – wir diese Erfahrung der Alleingeburt machen dürfen. 

Nichtsdestotrotz haben wir uns auch darauf vorbereitet was passiert, wenn nicht alles wie geplant läuft.

Geburten sind nicht planbar. Wir wissen nie, was uns tatsächlich erwartet. Ich finde es daher absolut wichtig und hilfreich, gut mit der eigenen Intuition verbunden zu sein.

Eine selbstbestimmte Geburt muss nicht automatisch zu Hause stattfinden.

Selbstbestimmt heißt, dass wir eine bewusste Entscheidung treffen, wie und mit wem wir uns zu diesem Zeitpunkt am wohlsten fühlen, um unsere Geburt begleiten zu lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen den Mut ihre Geburtserfahrung selbst zu gestalten und das Glück, die richtigen BegleiterInnen für ihre Wunschgeburt, zu finden.

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Unsere Autorin Melanie Aring (36), ist gebürtige Berlinerin, Wahl-Südsteirerin, zweifache Jungsmama und Instagram-Bloggerin zu den Themen:

Neue Wege mit Kindern, bindungsorientierte Elternschaft, Hochsensibilität, Hypnobirthing und Alleingeburt.

Bereits heute sind selbstbestimmte, sanfte und leichte Geburten möglich.

Bist du bereit in kürzester Zeit zu lernen, wie du deinen Körper unterstützten kannst, damit er dir diese wertvolle Geburt ermöglichen kann?

Aus der Geburt wird für dich und dein Baby eine wunderschöne Erfahrung.

Wenn du aufhörst die Geburt verstehen zu wollen und anfängst Geburt zu fühlen, entsteht ein völlig neuer Raum, in dem sich das Leben wundervoll entfalten kann. – Jennifer Wolf –

Dazu empfehle ich dir Jennifer Wolf von Geburt mit Flow.

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